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Verdunstung im Aquarium: welches Wasser nachfüllen?

Redaktion Beckenbuch ·

Beim Verdunsten verlässt Wasser das Aquarium, während die darin gelösten Härtebildner weitgehend zurückbleiben. Für den reinen Verdunstungsausgleich ist deshalb oft mineralarmes Wasser sinnvoll. Verwende eine geeignete und kontrollierte Wasserquelle; ein notwendiger Wasserwechsel wird weiterhin mit passend vorbereitetem Wasser durchgeführt. Ein ungewöhnlicher Pegelverlust muss außerdem auf Undichtigkeiten geprüft werden.

Ein niedriger Wasserstand kann auf den ersten Blick wie ein einfacher Mengenfehler aussehen: Es fehlen einige Liter, also werden einige Liter ergänzt. Für die Wasserzusammensetzung ist aber entscheidend, wie diese Liter verschwunden sind. Verdunstung entfernt Wasser anders als ein Schlauch, mit dem du beim Wasserwechsel Wasser und gelöste Stoffe gemeinsam entnimmst.

Unterscheide Verdunstung, Entnahme und Undichtigkeit

Notiere den normalen Betriebswasserstand, soweit die Herstelleranleitungen dies zulassen. Sieh regelmäßig nach, wie schnell der Pegel fällt. Offene Wasserflächen und ein Kühlventilator können die Verdunstung verändern. Ein plötzlich stärkerer Verlust braucht trotzdem eine Kontrolle: Ist um das Becken oder den Filter Feuchtigkeit sichtbar? Gibt es Tropfspuren an Schläuchen oder Anschlüssen? Wurde kürzlich Wasser abgesaugt?

Wasser auf dem Boden oder an elektrischen Anschlüssen ist kein Nachfüllproblem. Sichere in diesem Fall zuerst die Situation und kläre die Ursache. Gib nicht immer weiteres Wasser hinzu, ohne zu wissen, wohin es gelangt. Die folgenden Berechnungen beziehen sich ausschließlich auf einen bekannten Verdunstungsverlust in einem ansonsten dichten Süßwasseraquarium.

Was mit den Mineralien geschieht

Gelöste Mineralien verlassen das Becken bei normaler Verdunstung nicht zusammen mit dem Wasserdampf. Ihre Konzentration kann deshalb steigen, während das Wasservolumen sinkt. Diesen grundlegenden Zusammenhang erläutert der USGS im Beitrag zur Verdunstung; auch die dort beschriebene Salzgewinnung nutzt das Zurückbleiben gelöster Stoffe.

Wenn du den Verlust immer mit mineralreichem Leitungswasser auffüllst, führst du bei jedem Auffüllen neue Mineralien zu. Wie stark sich das im Aquarium zeigt, hängt zusätzlich von Wasserwechseln, Einrichtung und weiteren Vorgängen ab. Die einfache Mengenrechnung erklärt den Effekt, bildet aber nicht die gesamte Wasserchemie ab.

Ein Rechenbeispiel für den Verdunstungsausgleich

Fiktives, vereinfachtes Beispiel: In einem Aquarium befinden sich 80 Liter Wasser mit einer Gesamthärte von 10 °dGH. Es verdunsten vier Liter. Für die Modellrechnung nehmen wir an, dass in dieser Zeit keine Härtebildner zugegeben, verbraucht oder ausgefällt werden.

Als Rechengröße ergibt sich am Anfang 80 × 10 = 800 Liter·°dGH. Verteilt sich diese Menge auf nur noch 76 Liter, liegt die rechnerische Gesamthärte bei 800 ÷ 76, also rund 10,53 °dGH. Füllst du vier Liter Wasser mit rechnerisch 0 °dGH nach, verteilen sich die 800 Einheiten wieder auf 80 Liter. Der Ausgangswert von 10 °dGH wird im Modell wieder erreicht.

Füllst du stattdessen vier Liter Leitungswasser mit 10 °dGH nach, kommen 40 Einheiten hinzu. Nach dem Auffüllen ergeben 840 ÷ 80 rechnerisch 10,5 °dGH. Du hast dann den Pegel wiederhergestellt und gleichzeitig zusätzliche Härte eingebracht. Die Zahlen zeigen den Unterschied zweier Wasserquellen; sie sind keine Zielwerte für einen bestimmten Besatz.

Rechenmodell: 80 Liter, 10 °dGH und vier Liter Verdunstung
ZustandVolumenRechnerische GH
Ausgang80 l10 °dGH
Nach Verdunstung76 lca. 10,53 °dGH
Nachfüllen mit 0 °dGH80 l10 °dGH
Nachfüllen mit 10 °dGH80 l10,5 °dGH

Wähle eine geeignete, bekannte Wasserquelle

Kontrolliertes Osmosewasser ist eine mögliche Quelle für mineralarmes Nachfüllwasser. „Osmosewasser“ auf einem Kanister ist dabei keine aktuelle Messung. Prüfe die Herkunft, saubere Lagerung und die Wasserqualität deiner tatsächlichen Quelle. Die Dennerle-Erklärung zur Umkehrosmose beschreibt die Herstellung mineralarmen Wassers; eine bestimmte Resthärte oder Reinheit ist daraus für deine individuelle Anlage nicht garantiert.

Verwende einen sauberen Behälter, der nur für dieses Wasser vorgesehen ist. Beschrifte ihn so, dass Nachfüllwasser und vorbereitetes Wechselwasser nicht verwechselt werden. Wasser aus einem unbekannten Eimer, Kondenswasser eines Haushaltsgeräts oder Wasser mit Zusätzen ist keine austauschbare Alternative. Für eine Betreuung während der Abwesenheit ist die eindeutige Beschriftung besonders wichtig.

Mineralarm heißt nicht, dass du den ganzen Beckeninhalt auf einmal durch dieses Wasser ersetzen solltest. Auch die geplante Senkung einer bereits erhöhten Härte ist eine eigene Aufgabe. Kläre dabei Zielwerte und Vorgehen am Besatz und passe Veränderungen kontrolliert an. Die Grundlagen stehen im Beitrag Gesamthärte im Aquarium.

Fülle die bekannte Fehlmenge kontrolliert auf

Miss oder erfasse die fehlende Wassermenge und kontrolliere vor dem Nachfüllen Temperatur und zulässigen Wasserstand. Gib das Wasser so zu, dass kein Tier direkt angeströmt und der Bodengrund nicht aufgewühlt wird. Beobachte den Pegel, statt nur eine geschätzte Kanistermenge vollständig einzufüllen. Halte die gerätespezifischen Vorgaben beim Eingriff ein.

Unterscheidet sich der tatsächliche Zustand deutlich vom Normalzustand, hilft eine Messung der Härte und gegebenenfalls weiterer relevanter Parameter. Die Leitfähigkeit kann Veränderungen im Gesamtgehalt gelöster Ionen anzeigen, sagt dir aber allein nicht, welche Stoffe sich verändert haben. Sie ersetzt deshalb weder die Kenntnis der Wasserquelle noch eine gezielte Wasseranalyse.

Nachfüllen ersetzt den Wasserwechsel nicht

Mit dem Pegelausgleich entfernst du kein belastetes Aquarienwasser. Das Wasser sieht danach mengenmäßig vollständig aus, obwohl gelöste Stoffe weiterhin im System sein können. Der eigentliche Teilwasserwechsel bleibt daher Bestandteil der Pflege nach dem Bedarf deines Beckens.

Für Wechselwasser, das aus Leitungs- und Osmosewasser gemischt wird, ist die GH-Mischhilfe gedacht. Sie berechnet eine Mischung für eine bekannte Wechselwassermenge aus deinen Ausgangswerten. Das ist eine andere Rechnung als der reine Verdunstungsausgleich. Beschrifte beide Vorgänge auch im Pflegeprotokoll unterschiedlich.

Mach wiederkehrenden Verbrauch nachvollziehbar

Schreibe Nachfüllmenge und Datum auf und ergänze besondere Bedingungen wie einen laufenden Lüfter. Aus mehreren Beobachtungen erkennst du, wie stark der Bedarf schwankt. Eine allgemeine Literzahl pro Woche ist dafür wenig hilfreich, weil Wasserfläche, Abdeckung und Raumklima verschieden sind.

Wenn du später eine automatische Nachfüllung einsetzen willst, prüfe Sensor, Reservoirgröße, Befestigung und Schutz gegen ein unbeabsichtigtes Durchlaufen anhand der Anleitung. Teste das System unter Aufsicht. Die Automatik nimmt dir das Gießen ab; geeignete Wasserqualität und eine Kontrolle der gesamten Installation bleiben deine Aufgaben.