Nitrit (NO2) soll dauerhaft 0 mg/l sein. Der Peak — das zeitliche Maximum — kommt in den meisten Becken zwischen Woche 2 und 6 und dauert etwa eine Woche. Fische gehören erst rein, wenn der Wert nach dem Peak wieder 0 mg/l ist und Nitrat messbar steigt. Über 0,3 mg/l mit Tieren im Wasser: 30 Prozent wechseln, nicht füttern, nicht nachsetzen. Der Test, nicht der Kalender, entscheidet.
Was da eigentlich passiert
Eiweiß wird zu Ammonium/Ammoniak. Bakterien der Gattung Nitrosomonas oxidieren das zu Nitrit. Andere Nitrifizierer — in der deutschsprachigen Literatur klassisch Nitrobacter — oxidieren Nitrit weiter zu Nitrat. Wikipedia und das DRTA-Archiv: die zweite Gruppe vermehrt sich langsamer. Deshalb steigt NO2, bevor jemand da ist, der es auffrisst. Sobald beide Populationen sitzen, ist Nitrit im Alltag nicht mehr nachweisbar. Nitrat bleibt — das ist der Job von Pflanzen und Wasserwechsel, siehe NO3.
Ohne Stickstoffquelle startet der Kreislauf nicht. Ein leeres Becken „einfahren lassen“, ohne Futter, Pflanzenmulm oder Ammonium, verschiebt den Peak nur, bis der erste Fisch ihn liefert. Zierfischfreunde Warendorf sagen das ungeschminkt: stehen lassen verzögert, es verhindert nichts.
Zahlen, an denen du entscheidest
Sera-Bewertungsskala und Aquariumforum liegen nah beieinander. Handlungsbedarf beginnt früher, als viele Flaschenhals-Texte tun:
- 0,0 mg/l: Ziel im eingefahrenen Becken.
- über 0,3 mg/l: Aquariumforum — wechseln. Weiches Wasser und empfindliche Arten (Neonsalmler, Diskus) früher.
- 0,5 mg/l: Wikipedia und Sera — für viele Arten bedenklich. Peak-Schwelle, unter der du mit Wechseln bleibst, wenn schon Tiere drin sind.
- 1–2 mg/l: schädlich bis gefährlich. DRTA: ab etwa 1 mg/l hemmt Nitrit die Nitrobacter selbst — der Peak kann sich festfahren.
- 5 mg/l: Sera — giftig. Notfallwechsel, nicht warten.
Nitrit ist farblos. Milchiges Wasser ist eine Bakterienblüte, kein NO2-Nachweis. Wer keucht, misst trotzdem beides. Der Tröpfchentest, nicht der Streifen aus dem Vorjahr: DRTA empfiehlt, den Test an Kondenswasser zu prüfen — der muss 0 zeigen.
Zeitfenster
Die Quellen streuen, weil Futter, Liter, Impfung und Pflanzen den Kalender verschieben:
- Sera: oft Tag 5 bis 15.
- Aquariumforum: Anstieg ab Tag 6–7, Höhepunkt oft Tag 20–24.
- Wikipedia: meist Woche 2 bis 6, Peak selbst etwa eine Woche.
- DRTA: nach rund 4 Wochen oft vorbei, kann 8 Wochen oder länger dauern. Erste Fische mit Sicherheitsabstand nach 4–6 Wochen, wenn der Test 0 bleibt.
In dicht bepflanzten Becken kann der Peak so flach sein, dass der Tröpfchentest ihn verpasst (Silent Cycle). Dann zählt Nitrat, das steigt, plus NO2 dauerhaft 0. Kieselalgen in Woche 2 bis 6 sind dasselbe Zeitfenster, nicht dieselbe Chemie.
Einfahren ohne Tiere
Filter an, Heizer auf Zieltemperatur, Pflanzen rein, Licht 6 Stunden. Täglich eine Prise Futter oder ein Stück Gemüse als Stickstoff — so viel, wie später die Fische bekommen sollen, nicht mehr. DRTA: die Bakterienmenge stellt sich auf die künftige Last ein; sonst kommt der zweite Peak beim Einsetzen.
Messen: in den ersten Wochen alle 1 bis 2 Tage Ammonium und Nitrit, später Nitrat. Fertig ist das Becken, wenn NO2 nach einem sichtbaren Anstieg wieder 0 mg/l ist und NO3 liegt. Dann wenige, robuste Tiere — nicht den ganzen Laden. Der Besatzrechner danach, nicht davor. Filterschlamm aus einem gesunden, krankheitsfreien Becken kürzt die Wartezeit. Flaschenbakterien sind Impfung, kein Kalenderersatz.
Peak mit Tieren im Wasser
Zu früher Besatz ist der Klassiker. Sofort: Fütterung auf null oder fast null, extra Luft, 30 Prozent wechseln, 12–24 Stunden später nochmals, bis NO2 unter 0,3 mg/l bleibt. Kein neuer Fisch, kein Filter-Komplettwasch, keine Medikamente „gegen Stress“. DRTA erlaubt bei tödlichen Werten mehrere große Wechsel am Tag — das ist Notfall, nicht Routine. 90 Prozent auf einmal kippt Härte und Temperatur; die Kiemen zahlen zweimal.
Nitrit blockiert den Sauerstofftransport im Blut (Methämoglobin). Deshalb schnappen Fische an der Oberfläche, obwohl die Pumpe läuft. Mehr Luft hilft den Bakterien und den Kiemen, sie ersetzt den Wechsel nicht. Goldfische und dichte Guppyschwärme erzeugen den Peak höher, weil die Last höher ist — nicht weil Nitrit „Goldfisch-Wasser“ wäre.
Der Peak, der später kommt
Filter komplett unter dem Hahn gewaschen. Alle Medien neu. Medikamente. Ein Kadaver. Besatz verdoppelt an einem Tag. Dieselbe Kette, nur ohne die Entschuldigung „ist ja neu“. Ein Medium in Beckenwasser ausdrücken, nicht alle, nicht heiß — Filter reinigen. Nach Besatzsprung eine Woche täglich messen.
Was du nicht tust
Fische als Dünger einsetzen. Den Peak mit Algenmittel oder Klarmittel behandeln. Salz als Hausmittel gegen Nitrit bei Welsen, Schmerlen und Pflanzen — das ist ein zweites Experiment. Den Kalender statt den Test glauben. Nach vier Wochen den Laden vollstopfen, weil „es muss jetzt gehen“.
Ziel dauerhaft 0 mg/l NO2. Der Peak sitzt in Woche 2 bis 6. Der Test entscheidet, nicht der Kalender.
Quellen
- DRTA-Archiv — Nitrit (Nitrosomonas/Nitrobacter, ~4 Wochen, Hemmung ab 1 mg/l, Dennis Kottmann)
- Wikipedia — Nitritpeak (Woche 2–6, Dauer ~1 Woche, 0,5 mg/l als Marke)
- Sera — Nitritpeak (Bewertung 0 / 0,5 / 1 / 2 / 5 mg/l; oft Tag 5–15)
- Aquariumforum-Magazin — NO2 (Handlungsbedarf ab 0,3 mg/l; Peak oft Tag 20–24)
Zahlen aus den genannten Archiven, Stand Recherche 2026. Keine eigenen Messprotokolle. Der Kalender ersetzt den Test nicht.