Die Karbonathärte (KH) ist das Säurebindungsvermögen des Wassers, gemessen in °dH. 1 °dH KH entspricht 17,9 mg/l Calciumcarbonat bzw. 21,8 mg/l Hydrogencarbonat. Unter 4 °dH kann der pH in Stunden kippen. Über 8 °dH bleibt er meist stehen. aquarium-wasser.de nennt Werte über 5 °dH als ausreichend für die Stabilität, über 12 °dH als unnötig für die meisten Gesellschaftsbecken. Miss KH immer zusammen mit dem pH.
Diagnose
Der Tröpfchentest zählt Tropfen bis der Farbumschlag kommt. Ein Tropfen entspricht in den gängigen Tests 1 °dH. Streifen aus dem Vorjahr reichen nicht. Einmal die Woche und nach jedem Wechsel reicht im Alltag; nach Natron, Osmose oder neuem Stein am nächsten Tag nochmal.
GH ist die Gesamthärte (Calcium und Magnesium). KH ist der Carbonatpuffer. Sie laufen oft parallel, sind aber nicht dasselbe. Natriumhydrogencarbonat hebt die KH, ohne die GH zu heben. Kalkstein hebt beides.
Arten leben in Spannen. Guppy KH 5–15, Molly hart, Neonsalmler und Diskus eher 0–4 bzw. weich. Wer Guppy und Neon mischt, hat kein KH-Problem, sondern ein Besatzproblem — Rechner.
Ursache
Hydrogencarbonat fängt Säuren ab, bevor der pH fällt. CO2 aus Pflanzen und Tieren bildet Kohlensäure; nachts, ohne Photosynthese, steigt der pH. Bei KH 1–2 °dH siehst du Schwankungen um eine ganze Stufe. Bei KH 8–10 kaum. Deshalb die Bremse.
- Leitungswasser. Die Stadtwerke nennen Gesamthärte, selten KH getrennt. In weiten Teilen Deutschlands ist das Wasser mittelhart bis hart. Dann sind Lebendgebärende und Posthornschnecken die ehrliche Wahl, nicht Diskus.
- Verbrauch. Pflanzen, CO2-Düngung, Nitrifikation, weiches Osmose-Nachfüllwasser. Die KH fällt über Tage, der pH folgt. Unter 3–4 °dH droht der Säuresturz: pH rutscht, Ammoniak kippt ins Giftige — NH4/NH3.
- Steine und Sand. Kalkhaltiges Gestein, Muschelgriess, Marmor heben KH und oft den pH. Schiefer und Granit tun das nicht. Ein Tropfen Säure auf den Stein: es zischt, dann ist es Kalk.
DRTA: für die meisten Becken liegen 3–10 °dH im brauchbaren Fenster. Einrichtungsbeispiele: Lebendgebärende 5–12 °dH, Weichwasserarten 1–4 °dH. Die Zahl folgt der Art, nicht einem Idealpunkt 7,0.
Sofortmaßnahme
KH unter 3 °dH mit Tieren im Wasser: nicht die Flasche „pH plus“. Erst 20 bis 30 Prozent mit härterem, aufbereitetem Leitungswasser wechseln, ±1 °C. Wasserwechsel.
DRTA: 3 g Natriumhydrogencarbonat (Kaisernatron, ohne Rieselhilfe) auf 100 Liter heben die KH um 1 °dH und den Natriumgehalt um 8,2 mg/l. In 10 Litern Wechselwasser gelöst, über eine Stunde einlaufen lassen, nicht als Pulver auf die Tiere. Höchstens 1 °dH pro Tag. Dann messen. Über 2 °dH an einem Abend ist der zweite Unfall.
KH über 12 °dH bei Neon oder Diskus: Osmose oder Regenwasser mischen, nicht pH-Minus. pH-Minus holt die KH mit runter und lässt sie über Nacht schwanken. Holz und Erlenzapfen senken langsam und färben — das ist steuerbar, kein Wochenendprojekt.
Dauerlösung
Arten zum Wasser, nicht das Wasser zur Wunschliste. Hartes Leitungswasser: Guppy, Platy, Molly, viele Schnecken. Weiches Wasser: Neon, Diskus, viele Südamerikaner. Osmose plus Aufsalzen ist ein System mit Leitwert und Waage.
Nachfüllen mit demselben Verhältnis wie das Becken, sonst driftet die KH bei jedem verdunsteten Liter. CO2-gedüngte Pflanzenbecken verbrauchen Puffer; dort KH wöchentlich, nicht „wenn der pH komisch aussieht“.
KH zuerst, pH danach. 4 °dH als untere Haltelinie für die meisten Gesellschaftsbecken, 8 °dH als ruhiger Alltag, die Artspanne als Ziel.
Quellen
- DRTA-Archiv — Karbonathärte (3 g NaHCO3 / 100 l = +1 °dH; Fenster 3–10 °dH)
- Aquarium-Wasser — Karbonathärte (über 5 °dH als Puffer, über 12 °dH selten sinnvoll)
- Aquaristik-Profi — KH, pH und CO2
Zahlen aus den genannten Archiven, Stand Recherche 2026. Keine eigenen Messprotokolle. Der Test am eigenen Hahn gilt vor der Tabelle aus dem Internet.