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Apfelschnecke: welche Art der Handel meint

„Apfelschnecke“ meint im deutschen Handel fast immer eine Ampullariide — historisch Pomacea diffusa (früher P. bridgesii): kugeliges Gehäuse 4–6 cm, Deckel, rosa Gelege über der Wasserlinie. Planorbarius corneus ist die große europäische Posthornschnecke: flaches Tellergehäuse, kein Deckel, gallertige Eier unter Wasser. Pomacea darf in der EU nicht eingeführt, verkauft oder weitergegeben werden; P. corneus ist legal, mag 15–22 °C und wird zur Plage, sobald Futter übrig bleibt.

Illustration: links gelbe Apfelschnecke Pomacea mit Siphon und Deckel, rechts Planorbarius-ähnliches Tellergehäuse
Illustration, keine eigene Haltungsaufnahme. Links Ampullariide (Pomacea): kugelig, Deckel, Siphon. Rechts Tellerschnecke: flachere Spirale, kein Deckel.

Diagnose: welches Tier sitzt im Becken?

Der Handelsname entscheidet das nicht. Drei Merkmale tun es in zwei Minuten:

Eine dritte Verwechslung sitzt dazwischen: die Paradiesschnecke Marisa cornuarietis. Sie ist eine Apfelschnecke mit tellerähnlichem Gehäuse, frisst Pflanzen und steht seit dem 7. August 2025 auf der EU-Unionsliste invasiver Arten. Wer „große Posthornschnecke, die die Pflanzen kahl frisst“ googelt, hat oft Marisa, nicht Planorbarius.

Was der Handel mit dem Namen meint

Vor 2013 verkauften Zoohandlungen unter „Apfelschnecke“ fast ausschließlich Pomacea diffusa, in Gelb, Blau, Elfenbein, mit weichem Körper. Aquarium Glaser notiert das ausdrücklich: die Art war der Standardpflegling, nicht die pflanzenfressende Pomacea canaliculata. Die Radula von P. diffusa ist zu weich für gesundes Pflanzengewebe — deshalb galt sie als pflanzensicher. P. canaliculata und verwandte große Arten sind Rasenmäher. Die Arten sehen sich so ähnlich, dass die EU die ganze Gattung getroffen hat, nicht nur den Reisschädling.

Planorbarius corneus heißt im Fach deutsch Große Posthornschnecke oder Teichposthorn, nicht Apfelschnecke. Sie kommt in europäischen Stillgewässern vor, wird 3–4 cm im Gehäusedurchmesser und ist eine Kaltwasserschnecke. Was im Beutel „rote Posthornschnecke“ steht, ist in der Regel Planorbella duryi aus Florida — tropisch, rund 3 cm, dieselbe Familie, andere Herkunft. Für die Haltung ist der Unterschied vor allem Temperatur und Endgröße; für die Namensverwirrung ist er alles.

Was nach dem Pomacea-Verbot noch als große Apfelschnecke im Fachhandel auftaucht, ist oft die asiatische Pila ampullacea. Frank Schäfer (Aquarium Glaser): Deckel bei Pomacea hornig und biegsam wie ein Fingernagel, bei Pila hart und kalkig. Pila wird 6 cm und mehr, gräbt, nimmt Frostfutter und ist kein Pflanzenaquarium-Putzer.

Rechtslage, ohne Forum-Mythos

Das Julius Kühn-Institut (Stand 30. Juli 2025): alle Arten der Gattung Pomacea sind Unionsquarantäneschädling nach Durchführungsverordnung (EU) 2019/2072. Hintergrund ist ein Befall im Ebro-Delta, nicht der Goldschlag im 60-Liter-Becken. Einfuhr in die EU und Verbringen innerhalb der EU sind verboten. JKI wörtlich: die Schnecken dürfen nicht mehr verkauft oder auf anderen Wegen weitergegeben werden — auch nicht verschenkt. Die Durchführungsverordnung (EU) 2024/2013 gilt ab dem 26. Januar 2025 und hebt den älteren Beschluss 2012/697/EU ab.

Das ist Pflanzengesundheit, kein Tierschutzparagraph. Konsequenzen für Halter: keine Weitergabe, kein Versand, kein „Ableger an den Nachbarn“, kein Aussetzen in Teich, Graben oder Kläranlage. Verdacht auf Freilandvorkommen in Deutschland geht an den Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes. Ob eine bereits vorhandene Einzeltierhaltung geduldet wird, beantwortet diese Behörde — nicht ein Forenthread von 2014. Marisa cornuarietis fällt unter die Unionsliste invasiver Arten (VO 2025/1422, wirksam 7. August 2025): Einfuhr, Zucht und Freisetzung sind verboten.

Planorbarius corneus ist eine europäische Art und von diesem Verbot nicht betroffen. Wildfang aus der Natur ist in Deutschland trotzdem oft naturschutzrechtlich unzulässig; wer sie will, nimmt Nachzucht.

Haltung Pomacea — nur für Tiere, die schon da sind

Wer noch Altbestände hat, hält sie nicht als Algenputzer, sondern als Großschnecke mit sichtbarem Kot. Fachquellen (NT Labs, Aquarium Co-op, deutschsprachige Ampullariiden-Archive) liegen nah beieinander:

Pomacea sind getrenntgeschlechtlich. Ein einzelnes Tier legt keine schlüpffähigen Gelege. Ein Paar schon: 50–200 Eier pro Klumpen, Schlupf nach 2–4 Wochen in feuchter Luft. Wer keinen Nachwuchs will, nimmt das Gelege ab, solange es noch kreidig-rosa ist. P. diffusa lässt gesunde Pflanzen in Ruhe, solange sie satt wird. Hungert sie, raspelt sie weiches Gewebe. P. canaliculata frisst Pflanzen auch satt.

Haltung Planorbarius corneus

Das ist die Art, die Foren oft mit der Apfelschnecke vermengen, weil sie groß und braun ist. DRTA-Archiv, Aquarium-Guide und wirbellosen-aquarium.de: 10–25 °C, optimal 15–22 °C, pH 6,0–8,0, GH 10–30 °dH, KH 5–15 °dH, Gehäuse bis 4 cm, Alter 1,5–3 Jahre. Unter 14 °C reproduziert sie kaum; bei 24–28 °C im Gesellschaftsbecken lebt sie kürzer als in einem unbeheizten Becken oder Teich (Überwinterung nur, wenn der Teich nicht durchfriert, oft mit 80 cm Tiefe angegeben).

Sie ist Zwitter. Ein Tier reicht für eine Population. Gelege sind flache, gallertige Kapseln mit rund 12–40 Eiern, unter Wasser, Schlupf nach 10–21 Tagen je nach Temperatur. Sie weidet Detritus, Aufwuchs und Futterreste. Gesunde Pflanzen bleiben, solange Futter da ist; neue Triebe und weiche Blätter sind die ersten Opfer, wenn die Fütterung die Zahl schon explodieren ließ.

Kalkarmes Wasser: Gehäuse werden matt, löchrig, Artgenossen nagen Kalk voneinander. Dieselbe Logik wie bei der roten Posthornschnecke. Kupfer ist auch hier ein Unfall, kein Pflegemittel.

Nutztier oder Plage

Nutztier, wenn

  • Du Resteverwertung willst, nicht „die Algen weg“.
  • Futter in zwei Minuten weg ist.
  • Gelege abgenommen oder — bei Pomacea — nur ein Geschlecht sitzt.
  • Härte und pH das Gehäuse tragen.

Plage, wenn

  • Tabletten und Frostfutter den Boden düngen.
  • Pomacea-Paare Gelege über Wasser setzen und du sie ignorierst.
  • Planorbarius bei 24 °C plus Futterüberschuss steht.
  • Du Gift suchst, bevor du die Fütterung änderst.

Keine dieser Schnecken ist ein Algenersatz für eine Rennschnecke oder eine Amanogarnele. Sie fressen, was du überfütterst. Eine Population, die Scheiben zupflastert, ist ein Fütterungsprotokoll. Dieselbe Einsicht wie bei der Posthornschnecke.

Sofortmaßnahme

Erst bestimmen, dann handeln. Rosa Klumpen über Wasser: abnehmen, nicht ins Klo und nicht in den Gartenteich. Gallertige Scheiben unter Wasser: mit Karte von der Scheibe, Blätter absammeln. Drei Tage fast nicht füttern, 30 Prozent wechseln, Mulm absaugen. Fallen fangen Adulte, nicht die Eier. Assassinschnecken fressen andere Schnecken und bleiben als neues Problem, wenn das Futter weiter fließt. Schneckengift mit Kupfer trifft Garnelen und oft den Filter mit.

Dauerlösung

Fütterung an das, was in zwei Minuten weg ist. Wechsel alle 7 bis 14 Tage 30 Prozent — siehe Wasserwechsel. Wer Algenweide ohne Nachwuchs will: Rennschnecke, hartes Wasser, Abdeckung. Wer Resteverwertung will und Gelege abnimmt: Posthorn (Planorbella), nicht Pomacea kaufen. Wer eine große Ampullariide legal sucht: Pila ist die Gattung, die das Pomacea-Verbot nicht trifft — mit dem ehrlichen Preis, dass große Tiere Pflanzen nicht heilig sind und das Becken Kot sieht.

Aussetzen ist in jedem Fall die schlechteste Idee. Pomacea ist genau deshalb Quarantäneschädling, weil jemand irgendwann dachte, der Teich sei groß genug.

Quellen

Der Handel meint fast immer Pomacea. Die große europäische Posthornschnecke ist etwas anderes — und legal. Haltungszahlen aus den genannten Archiven, Stand Recherche 2026.